Geschichte
Als 1711 das Haus Nassau-Hadamar mit Franz Alexander ausstarb, förderten die anderen nassauischen Linien im ererbten katholischen Territorium den evangelischen Glauben. So wurde auch in Rennerod eine reformierte Pfarrei eingerichtet. Es blieb allerdings zunächst bei einer sehr kleinen Gemeinde, die fast ausschließlich aus den Verwaltungsbeamten der Landesherrschaft bestand. Beerdigt wurde auf dem Friedhof im benachbarten Emmerichenhain. Als aber die Amtsverwaltung 1727 nach Westernohe wechselte, siedelte auch die Pfarrei dorthin über, kam aber wohl schon um 1750 wieder nach Rennerod zurück. Dort, wo jetzt das katholische Pfarrhaus steht, errichtete nach 1750 die reformierte Gemeinde ein stattliches Gebäude als Wohn- und Dienstsitz des Pfarrers. (aus: Gerz, Wolfgang, Lasterbacher Hefte 9: Kirchen im Raum Rennerod, Seite 57)
Tags: evangelisch, Gebäude, Gemeinde, Geschichte, Glaube, Glauben, Katholisch, Kirche, Pfarrer, Pfarrhaus, RennerodVerwandte Artikel
ERINNERUNG AN DEN BOMBENANGRIFF 16.03.45 von Pfr. Bellin
Aus der Pfarrchronik von Rennerod
Am Freitag, dem 16.03.45 wurde ich gegen 2 Uhr mittags zu einem Versehgang nach Neustadt gerufen. Kpl. Brand befand sich bereits in Waldmühlen zur Pfarrstunde u. Erstkommunionunterricht. Ich fuhr mit dem Rad nach Neustadt u. wollte den Weg wählen durch den Wald rechts von der Hellenhahnerstraße. Am Wald befand sich das Schild, aus dem hervorging, dass hier Sperrgebiet sei. Nach ein paar Metern sah ich im Wald zerstreut verschiedene Wehrmachtsautos getarnt parken. Ein Posten verbot mir die Weiterfahrt durch den Wald. Alle Erklärungen nützten nichts, ich musste einen Umweg an dem Wald entlang wählen. Über mit hörte ich das bekannte Motorgeräusch der Bomber. Während ich im Hause in Neustadt dem Sterbenden Beichte hörte, vernahm ich Bombeneinschläge u. das Häuschen wurde stark erschüttert. Nach diesem Versehgang fuhr ich über Hellenhahn nach Rennerod zurück. Es war ein sehr warmer, wunderbarer Sonnentag. Eine Frau mit einer Einkaufstasche kam mir entgegen u. weinte Ich stieg ab u. fragte nach dem Grund. Sie sagte: "Ich komme von Rennerod, da steht kein Haus mehr". Ich fuhr weiter; den Hellenhahner Berg hinab, da merkte ich, dass dieser Bericht übertrieben war. Ich stellte mein Rad bei Fam. Ries unter, schon kam mir H. Joh. Boller entgegen u. sagte: "Kommen sie, Hanna ist tot, Kpl. Brand hat ihr eben noch die Hl. Ölung gespendet. Ich schaute kurz in Richtung Amtsgericht u. hörte, dass das Pfarrhaus noch stünde. Die Dreschhalle war fast verschwunden, an der Dreschhalle ein gewaltiger Trichter auf der Straße. Die Amtsrichter-Wohnung schwerst beschädigt, das Haus Lisa Müller, Ecke Hellenhahnerstr. u. Hauptstr. vernichtet. Haus Kohlen-Müller ein Trümmerhaufen, Haus Wirtschaft Fritz Röttger zusammengebombt. In diesem Hause lag im Schlafzimmer Loni Röttger. So ging ich von Haus zu Haus. Die Hauptstr. von Wirtschaft Fritz Röttger abwärts bis Haus Adolf Pitton u. Sattlermeister Gros war ein Trümmerhaufen. Die Scheune Peter Güth erhielt einen Volltreffer, ebenso die Schmiede von Schmiedemeister Schuld, das alte Pfarrhaus an der Kirche, am Spritzenhaus wurde zusammengeschlagen, ebenso das kleine Haus Johannes Kaß an der Nordseite der Kirche.
Bei den sofort einsetzenden Bergungsarbeiten hörte man noch lange Klopfzeichen aus den Trümmern des Hauses Müller (Kohlen) Hellenhahnerstr.. Am nächsten Tag nachmittags konnten jedoch nur die zwei Leichen geborgen werden. Anna Müller Schwester des H. Karl Müller, Kohlenhandlung u. dessen Frau Katharina. Große Schwierigkeiten machte die Bergung der Leichen im Hause Alexander Gros, Sattlermstr.. Am nächsten Tag 17.03. gelang es die Leichen der Geschwister Elisabeth u. Katharina Gros, der Evakuierten Ilse Nolte u. Anna Plümacher zu bergen.
Bei den Soldaten handelte es sich um solche, die bei der Wirtschaft F. Röttger offenbar im Freien standen u. auf eine Möglichkeit warteten, durch LKW weiter mitgenommen zu werden. Zwei solcher Leichen konnten nicht identifiziert werden, da sie vollständig verstümmelt und zerrissen waren. Papiere fanden sich nicht. Lediglich aus herumliegenden Kleiderresten stellte man fest, dass es sich offenbar um Soldaten handelte. Der Soldat Karl Börner war Sanitäter im vorerwähnten Luftwaffenlazarett. Die Angehörigen der Soldaten wurden vom Tode durch das hiesige Bürgermeisteramt verständigt.
Viele Verwundete wurden im Luftwaffenlazarett behandelt. Es kann als Fügung Gottes angesehen werden, dass dieses mit guter ärztlicher Hilfe in Rennerod war. Dort erlebten wir erschütternde Szenen. Angehörige, die ihre Verwundeten sehen wollten u. auf Bescheid warteten, worin die Verwundung bestand. Solche, die obdachlos einen Angehörigen dort vermuteten, während er bereits tot irgendwo lag. Die aus den Trümmern geborgenen Leichen wurden an der Nordseite des Amtsgerichtes niedergelegt u. dort eingesargt. Die anderen Leichen blieben in den Häusern u. wurden dort soweit wie möglich aufgebahrt. Das Sägewerk Gerhard sollte die Särge auf Veranlassung des Ortsgruppenleiters stellen. Mangels Arbeiter konnten aber für einen Teil der Soldaten keine Särge zur Verfügung gestellt werden. Sie wurden in Zeltbahnen in das Massengrab, das auf dem Friedhof ausgehoben war, gelegt. Die Beisetzung der Gefallenen war auf Sonntag, d. 18.3.45 um 18 Uhr festgelegt. Man wählte diese verhältnismäßig späte Nachmittagsstunde wegen der bestehenden großen Fliegergefahr. Gegen 6 Uhr nachmittags zog die gesamte Gemeinde zum Friedhof. Die Leichen waren bereits schon hinausgefahren u. vor dem Massengrab nieder gesetzt. Ich segnete das Grab mit dem im Rituale vorgesehenen Gebet ein. Dann begann die Trauerfeier u. Ansprache. Auf Anordnung des Orts- u. Kreisleiters sollte ich an letzter Stelle sprechen und die Gebete verrrichten. Dagegen machte ich keine Einwände. Ein paar Buben sangen als Hitlerjugend sehr dürftig u. … ein Lied, ein Spruch wurde vorgetragen. Es folgte dann eine Ansprache des Kreisleiters Fischer von Westerburg. Für die evang. Kirche sprach ein evang. Militärpfarrer aus Gemünden. Ich muss schon sagen, dass sich mit mir viele Renneröder ob dieser Rede schämten und empörten: eine Rede des Hasses, der Siegerzuversicht für den Ausgang des Krieges, kein Wort des wirklichen Trostes oder u. kein Wort christl. Leidens u. Opfergesinnung oder christl. Auferstehung. Dazu war die Rede, die nach der vorherigen Besprechung, höchstens 10 Minuten dauern sollte, sehr lang u. für uns Christen langweilig. Man spürte sogar etwas Unruhe unter den Zuhörern. Als dann die Reihe an mir war, hatte sich die Dunkelheit schon auf den Friedhof herabgesenkt. Ich ging vom Tode Christi aus. "Die Sonne verfinsterte sich" u. ich leitete über zu dem Bericht d. Evang. von der Auferstehung des Herrn: "In der Frühe des Morgens als eben die Sonne aufging", "Er ist auferstanden". So versuchte ich Tod u. Leben, Sterben u. Auferstehung als Gedanken des Trostes unseren Gläubigen mitzugeben. Dann sprachen wir für alle die Gebete. Ganz gewaltig u. machtvoll wurden das "De profundis" von Priester und Volk abwechselnd gebetet sowie die übrigen Gebete. Ich glaube sagen zu können, dass sich unser Gebet sehr eindrucksvoll zeigte. Mittlerweile war es Abend geworden. Mögen all die Gefallenen des 16.3.45 im Ewigen Licht, in Gott sein. "Herr gib ihnen die Ewige Ruhe…"
Zum Schluss wurde das Deutschlandlied gesungen. Dabei wurden aber kaum erhobene Hände sichtbar, wie es durch die Nazi eingeführt war. Nach dem Deutschlandlied gab der O-Stabs-arzt des Luftwaffenlazarettes seinen Truppen das Kommando zum Abmarschieren. Der Kreisleiter und Ortsgruppenleiter wünschten noch das Singen des Liedes "Die Fahne hoch" u. wollten rasch den O-Stabsarzt bewegen das gegebene Kommando zurückzunehmen, er antwortete: "Kommando ist gegeben" – also traten die Soldaten ab. Nun stimmten ein paar PG’s "Die Fahne hoch" an, aber fast keiner sang mit, sondern alle verließen schweigend den Friedhof.
Am Montag, d. 19.3.45 feierten wir dann gemeinsam ein feierl. Requiem für unsere Brüder und Schwestern in X. für jeden einzelnen habe ich dann nochmals ein Seelenamt u. 4-Wochenamt in Tagesfarbe gefeiert.
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Interessant für die Familienforschung: Hier die in unseren Kirchenbüchern verzeichneten Daten:
Taufbuch
- 14.01.1995 bis heute
- 24.03.1968 bis 27.11.1994
- 14.09.1958 bis 17.03.1968
- 03.04.1955 bis 20.07.1958
- Kirchspiel Rennerod: 21.01.1796 bis 07.11.1811, weitere in Mengerskirchen eingetragen
Trauungen
- Kirchspiel Rennerod: 07.02.1796 – 17.03.1811, weitere in Mengerskirchen eingetragen
Bestattungen
- Kirchspiel Rennerod: 02.01.1796 bis 30.07.1811, Schlussbemerkung: Vereinigung des Kirchspiels Rennerod mit Mengerskirchen, deshalb werden die Todesfälle im Totenbuch von Mengerskirchen verzeichnet.
- Gemeinde Homberg:
Buch 1: Taufen, Hochzeiten, Bestattungen: 1817 – 1827
Buch 2: Taufen, Hochzeiten, Bestattungen: 1828 – 1838
Buch 3: Taufen, Hochzeiten, Bestattungen: 1839 – 1850
Buch 4: Taufen, Hochzeiten, Bestattungen: 1851 – 1869
Buch 5: Taufen, Hochzeiten, Bestattungen: 1870 – 1874
- Gemeinde Rehe:
Buch 1: Taufen, Hochzeiten, Bestattungen: 1817 – 1827
Buch 2: Taufen, Hochzeiten, Bestattungen: 1828 – 1838
Buch 3: Taufen, Hochzeiten, Bestattungen: 1839 – 1849
Buch 4: Taufen, Hochzeiten, Bestattungen: 1850 – 1865
Buch 5: Taufen, Hochzeiten, Bestattungen: 1865 – 1874
- Kirchspiel Rennerod: Ein Buch:
Hochzeiten: 28.04.1733 -27.08.1796
Taufen: 06.02.1733 – 22.12.1795
Konfirmationen: 13.04.1732 – 1805
Bestattungen: 10.11.1732 – 16.12.1795
incl. verschiedener Nachrichten über Erdbeben, Pfarrer, Bestandsverzeichnis …
Offensichtlich mit mehreren Orten: Rennerod, Elsoff, Mittelhofen, Waldmühlen, Hüblingen, Irmtraut, Seck, Neustadt, Büdingen, Höhn, Dreisbach, Westernohe, Stockum, Pottum …
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Hier finden Sie Informationen über die Geschichte unserer Gemeinde.
Außerdem gibt es Informationen für Familien- und Heimatforscher.
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Als Pfarrer Preißer 1816 nach Hadamar ging, wurde die reformierte Stelle wohl nicht mehr besetzt, so dass die kath. Pfarrgemeinde 1818 auch das prächtige Pfarrhaus übernehmen konnte. (aus: Gerz, Wolfgang, Lasterbacher Hefte 9: Kirchen im Raum Rennerod, Seite 57)
Tags: Gemeinde, Kirche, Pfarrer, Pfarrhaus, Preißer, Rennerod
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