Diakonie
Mit der Patientenverfügung weist der Patient seinen Bevollmächtigten, Betreuer und Arzt an, bestimmte medizinische Behandlungen vorzunehmen oder zu unterlassen. Daher ist es wichtig, gut überlegt und unmissverständlich, seinen Willen zu formulieren und zu hinterlegen, damit er bei Bedarf gekannt und berücksichtigt werden kann.
Auf den Seiten von theology.de finden Sie die "Christliche Patientenverfügung. Handreichung und Formular der Deutschen Bischofskonferenz und des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland in Verbindung mit den weiteren Mitglieds- und Gastkirchen der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Deutschland" als kostenfreien Download.
Das Zentrum für Ethik in der Medizin am Markus-Krankenhaus in Frankfurt/M. und die Frankfurter Diakonie-Kliniken haben gemeinsam eine DVD herausgegeben, um Bürgerinnen und Bürgern das Erstellen ihrer Patientenverfügung zu erleichtern. Dieses Angebot ist aus der Erfahrung erwachsen, dass immer mehr Bürgerinnen und Bürger eine Patientenverfügung erstellen (wollen), jedoch häufig wichtige medizinische Hintergründe für die Entscheidungsfindung fehlen.
Das Neuartige gegenüber den bisher vorliegenden Broschüren ist, dass die zur Erstellung einer Patientenverfügung und einer Vorsorgevollmacht wichtigen Aspekte in einem Film dargestellt werden.
Weitere Informationen und Links:
http://www.theology.de/themen/patientenverfuegung.php
Tags: Arbeit, Diakonie, evangelisch, Information, Informationen, Kirche, PatientenverfügungVerwandte Artikel
Predigt von Propst Michael Karg zur Einführung von Wilfried Kehr als Leiter des regionalen Diakonischen Werkes im Westerwaldkreis
27.04.05, Westerburg, Pfarrer-Ninck-Haus
1.
Liebe Gemeinde, Schwestern und Brüder, lieber Herr Kehr!
Am 26.Januar haben wir Sie in Limburg aus Ihrer dortigen Funktion verabschiedet – heute werden Sie hier eingeführt, in gleicher Funktion als Leiter eines rDW, aber doch an anderer Stelle. Es ist von der Aufgabenstellung her dasselbe, aber doch sicherlich anders, mit anderen Schwerpunkten und Besonderheiten, mit anderem Klientel, natürlich auch mit anderen MitarbeiterInnen. Trotz aller beruflicher Kontinuität ein Neuanfang.
Neuanfänge reizen ja dazu, manches wirklich neu machen zu wollen. Neu im Sinne von anders, angemessener, vielleicht sogar besser (wobei Sie mich bitte nicht in dem Sinne missverstehen, als wollte ich damit sagen, Sie hätten an der vorherigen Stelle Dinge nicht gut oder angemessen getan). Nein, ich denke, das Neuwerden-Wollen ist etwas, das in uns allen drinsteckt. (Beispiele:)
•KV: Bilanzierung, neue Wege, um an Menschen zu kommen
•Visitation, Versuch bezogen auf Dekanat
•Seelsorge: Menschen, in Beziehungen neu anfangen wollen
•Wer möchte nicht ab und zu mit seinem Glauben ganz neu anfangen
•Jeder Systemwechsel im politischen Bereich verbunden mit der Verheißung oder Versprechen der Erneuerung der Gesellschaft (vgl. geistig-moralische Wende beim Wechsel der sozialliberalen zur christlich-liberalen Koalition, Wende 1989)
•Und selbst so etwas wie das Reformmodell Hartz IV versprach oder verspricht ein Neuwerden des Arbeitsmarktes.
Den Wunsch nach Neuanfang und Neuwerden gibt es auf allen Gebieten. Ob aus all den dazu unternommenen Anstrengungen wirklich neues entsteht, ist eine andere Frage.
2.
Im Wochenspruch der vergangenen Woche aus 2 Kor 5 ist auch vom Neuwerden die Rede:
Ist jemand in Christus, so ist er eine neue Kreatur das Alte ist vergangen, siehe, Neues ist geworden. Für Paulus ist die Überwindung des Alten (des Archaischen, wörtlich) kein persönlicher, psychischer Kraftakt, sondern unmittelbar an Christus gebunden. Alle vorherigen Vorstellungen über den Wert des Menschen vor Gott, alle gängigen Übungen und Rituale, sich diesen Wert zu verschaffen, sind für ihn vergangen. Es gilt das Neue: Im Glauben sind wir gerechtfertigt, von Gott angenommen, vorbehaltlos. Als Schwestern und Brüder können wir uns gegenseitig vorbehaltlos annehmen, ohne Vorleistungen zu erwarten oder zu fordern. Die christliche Gemeinde ist der Ort, wo dies eingeübt werden kann und soll.
3.
Gemeinde als der Ort des Angenommenseins und des gegenseitigen Annehmens. Das ist, mit Blick auf unsere real existierenden Gemeinden, eine z.T. kühne Behauptung. Unsere Gemein-den sind mittelstandsorientiert, die Kontakte zu anderen Milieus sind schwierig, und bestimm-te Milieus sind nicht in jedem Fall gerne gesehen. Ernst Lange hat die Gemeinde einmal als Ensemble der Opfer bezeichnet. Wir sind daran gewöhnt, diesen Teil unserer Gemeinde an das DW zu delegieren. Diejenigen, die Opfer sind oder zu werden drohen, oder vorsichtiger ausgedrückt, die hilfsbedürftig, betreuungsbedürftig, beratungsbedürftig, unterstützungsbedürftig oder sonst wie bedürftig sind. Das ist keine besonders gute Entwicklung, wie wir heute wissen, dies alles an eine eigenständige Organisation wie das DW zu delegieren. Das Ausei-nanderdriften von Kirche und Diakonie, von Verkündigung und dienendem, helfenden Han-deln tut beiden Seiten nicht gut. Die einen könnten meinen, der Auftrag der Verkündigung des Evangeliums, der Zuspruch des Neuwerdens durch Christus sei ein leibloser Auftrag, bezogen auf die Seele des Menschen, sein Innerstes. Die anderen könnten meinen, Diakonie sei Solidarität mit Bedürftigen unter dem Dach eines Vereins, der irgendwann aus der Kirche hervorge-gangen ist, sich aber längst von der Mutter abgenabelt hat. Ich erinnere mich an einen Buchtitel aus dem Jahr 1971 (damals war ich Vikar):
Solidarität + Spiritualität = Diakonie
M.a.W.: Solidarität als menschliche Möglichkeit des Mitfühlens, Mitdenkens, Mittragens, auch des gesellschaftspolitischen Engagements im Sinne der Benachteiligten – diese Solidari-tät bedarf der Spiritualität. Spiritus ist, wie wir wissen, der Geist. Sie bedarf also des rechten Geistes, des von Gott kommenden guten, heiligen Geistes, um Diakonie zu werden: Sorge für den anderen an Leib und Seele im Wissen darum, dass auch die eigene Seele gepflegt und genährt werden muss von dem guten Geist, der von Gott kommt.
4.
Wo und an welcher Stelle tritt diese Diakonie, dies diakonische Handeln auf den Plan? Ich könnte jetzt aus dem ansehnlichen und umfangreichen Jahresbericht dieses rDW vorlesen, auf welchen Gebieten und durch welche Maßnahmen Diakonie im Westerwald geschieht. Dazu käme noch der Bereich der ambulanten Pflege, die selbständig organisiert ist und andere, auf Gemeindeebene oder Nachbarschaftsebene angesiedelte Aktivitäten.
Ich möchte anders einsteigen und an eine biblische Geschichte erinnern, die in Joh 5 erzählt wird.
1 Danach war ein Fest der Juden, und Jesus zog hinauf nach Jerusalem.
2 Es ist aber in Jerusalem beim Schaftor ein Teich, der heißt auf hebräisch Betesda. Dort sind fünf Hallen
3 in denen lagen viele Kranke, Blinde, Lahme, Ausgezehrte. »Sie warteten darauf, dass sich das Wasser bewegte.
4 Denn der Engel des Herrn fuhr von Zeit zu Zeit herab in den Teich und bewegte das Wasser. Wer nun zuerst hineinstieg, nachdem sich das Wasser bewegt hatte, der wurde gesund, an welcher Krankheit er auch litt.«
5 Es war aber dort ein Mensch, der lag achtunddreißig Jahre krank.
6 Als Jesus den liegen sah und vernahm, dass er schon so lange gelegen hatte, spricht er zu ihm: Willst du gesund werden?
7 Der Kranke antwortete ihm: Herr, ich habe keinen Menschen, der mich in den Teich bringt, wenn das Wasser sich bewegt wenn ich aber hinkomme, so steigt ein anderer vor mir hinein.
Ich habe keinen Menschen – eine eigentlich unfassbare und unvorstellbare Aussage. Und doch für viele tagtägliche Wirklichkeit, damals wie heute:
•Alte in Wohnungen, Zimmern, ohne Kontakt (Telefon schwierig wegen Schwerhörigkeit oder Verwirrtheit)
•Ehepaare, mitten im Leben, keinen haben, zu dem mit Eheproblemen
•Russlanddeutsche, Formulare ausfüllen, Fragen kaum verstehen
•Asylbewerberin, bei der ersten Anhörung aus Angst und Scham nicht alles erzählt, vor allem nicht sexuellen Übergriffe, und in späteren Verhandlungen deshalb als Lügnerin verdächtigt wird und schlechte Karten hat.
Ich habe keinen Menschen! Das soll keiner auf Dauer sagen müssen! Dafür tritt Diakonie ein, dass das nicht so bleibt. Diakonie mit ihrer qualifizierten Hilfe, dem Einstehen für Menschen, dem Aufhelfen und Verleihen von Gehhilfen im übertragenen Sinne, bis Menschen wieder auf die eigenen Füße kommen. Damit wird Diakonie zum Zeichen für die Gemeinden, in deren Bereich sie tätig ist. Sie weist auf die hin, die in der Mitte der Gemeinde oder an ihrem Rand wohnen, die auch niemanden haben, die nicht unbedingt die Hilfestellung durch einen diplomierten Sozialarbeiter bräuchten, aber doch die Zuwendung eines Menschen, der ihnen mit offenem Herzen begegnet.
5.
Lieber Herr Kehr, Sie werden hier viel zu tun haben. Das ist keine Drohung, sondern schlicht eine Tatsache. Sie werden an leitender Stelle mit dafür Sorge tragen, dass Menschen vorbehaltlos angenommen werden. Sie wissen um den Zusammenhang von Glauben und Handeln, von Seele und Leib, von Kirche und Diakonie. Sie vereinigen dies ja auch in Ihrer eigenen Person. Sie helfen mit, dass Hilferufe von denen, die niemanden haben, nicht ungehört verhallen.
In alle dem sind Sie nicht allein. Sie haben Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, Gesprächspartner im Konvent und der Dekanatssynode und Gemeinden, die nicht nur um das Diakonische Werk wissen, sondern vielleicht auch ab und zu dafür spenden oder gar sammeln. Und das Wichtigste: Sie dürfen sich getragen wissen von dem Gott, der die Liebe zum Nächsten mit der Liebe zu ihm auf eine Stufe stellt. Gehen Sie Ihren Weg und versehen Sie Ihren Dienst hier unter seinem Segen.
Amen.
Michael Karg, Propst für Nord-Nassau
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