Thema: Gebet und Beten
Dieser Themenabend wurde vorbereitet von Jörg, Uwe, Bettina, Dina, Peter und Michael.
Zunächst fanden sich alle Jugendlichen im Gemeinschaftszelt ein. Es folgte ein kurzes Anspiel: “Das Vaterunser als Zwiegespräch zwischen einer Betenden und Gott”.
Um dies spektakulär und locker für die Jugendlichen darzustellen, hielt sich Michael, der die Stimme Gottes sprach, unter einem mit einer Plane abgedeckten Tisch auf. Dies wussten die Jugendlichen natürlich nicht. Dina, in der Rolle als Betende, saß auf diesem Tisch. Dann entwickelte sich folgendes Zwiegespräch:
“Vater unser im Himmel …” “Ja?”
“Unterbrich mich nicht! Ich bete.” “Aber du hast mich angesprochen!”
“Ich dich angesprochen? Äh … nein, eigentlich nicht. Das beten wir eben so: Vater unser im Himmel.” “Da, schon wieder! Du rufst mich an, um ein Gespräch zu beginnen, oder? Also, worum geht’s?”
“Geheiligt werde dein Name …” “Meinst du das ernst?”
“Was soll ich ernst meinen?” “Ob du meinen Namen wirklich heiligen willst. Was bedeutet das denn?”
“Es bedeutet … es bedeutet … meine Güte, ich weiß nicht, was es bedeutet! Woher soll ich das wissen?!” “Es heißt, dass du mich ehren willst, dass ich dir einzigartig wichtig bin, dass dir mein Name wertvoll ist.”
“Aha. Hm. Ja, das verstehe ich.” “Dein Reich komme, dein Wille geschehe wie im Himmel so auf Erden …” “Tust du was dafür?”
“Dass dein Wille geschieht? Natürlich! Ich gehe regelmäßig zum Gottesdienst, ich zahle meine Kirchensteuer und spende regelmäßig.” “Ich will mehr: dass dein Leben in Ordnung kommt; dass deine Angewohnheiten, mit denen du anderen auf die Nerven gehst, verschwinden; dass du von anderen her und für andere denken lernst; dass allen Menschen geholfen werde und sie zur Erkenntnis der Wahrheit kommen, auch dein Vermieter und dein Chef. Ich will, dass Kranke geheilt, Hungernde gespeist, Trauernde getröstet und Gefangene befreit werden; denn alles, was du diesen Leuten tust, tust du doch für mich.”
“Warum hältst du das ausgerechnet mir vor? Was meinst du, wie viele stinkreiche Heuchler in den Kirchen sitzen. Rede sie doch an!” “Entschuldige! Ich dachte, du betest wirklich darum, dass mein Herrschaftsbereich kommt, und mein Wille geschieht. Das fängt nämlich ganz persönlich bei dem an, der darum bittet. Erst wenn du dasselbe willst wie ich, kannst du ein Botschafter meines Reiches sein.”
“Das leuchtet mir ein. Kann ich jetzt mal weiterbeten?” “Unser tägliches Brot gib uns heute …” “Deine Bitte beinhaltet die Verpflichtung, etwas dafür zu tun, dass die Millionen Hungernden dieser Welt ihr tägliches Brot bekommen.”
“Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern …” “Und Heinz?”
“Heinz, jetzt fang auch noch von dem an! Du weißt doch, wie er mich öffentlich blamiert, wie er mir jedes Mal dermaßen arrogant gegenübertritt, dass ich schon wütend bin, bevor er überhaupt den Mund aufmacht. Und das weiß er auch! Er nimmt mich nicht ernst, er tanzt mir auf der Nase rum, dieser Typ hat …” “Ich weiß, ich weiß. Und dein Gebet?”
“Ich meine es nicht so.” “Du bist wenigstens ehrlich. Macht dir das eigentlich Spaß, mit so viel Bitterkeit und Abneigung im Bauch herumzulaufen?”
“Nein. Es macht mich krank.” “Ich will dich heilen. Vergib Heinz, und ich vergebe dir. Dann ist Arroganz und Hass seine Sünde und nicht deine. Vielleicht verlierst du Geld; ganz sicher verlierst du ein Stück Image, aber es wird dir Frieden ins Herz bringen.”
“Hm. Ich weiß nicht, ob ich mich dazu überwinden kann.” “Ich helfe dir dabei.”
“Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen …” “Nichts lieber als das! Meide bitte Personen und Situationen, durch die du versucht wirst.”
“Wie meinst du das?” “Du kennst doch deine schwachen Punkte. Unverbindlichkeit, Finanzverhalten, Aggression, Erziehung. Gib der Versuchung keine Chance!”
“Ich glaube, dies ist das schwierigste Vaterunser, das ich je gebetet habe. Aber es hat zum ersten Mal etwas mit meinem alltäglichen Leben zu tun.” “Schön! Wir kommen vorwärts. Bete ruhig zu Ende.”
“Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.” “Weißt du, was ich herrlich finde? Wenn Menschen wie du anfangen, mich ernst zu nehmen, echt zu beten, mir nachzufolgen und dann das tun, was mein Wille ist; wenn sie merken, dass ihr Wirken für das Kommen meines Reiches sie letztlich selbst glücklich macht.”
Gesprächsrunde bei Bettina und Peter
Die Jugendlichen waren sichtlich beeindruckt von der Stimme, die aus dem Nichts kam. Mucksmäuschenstill, was für die Gruppe sehr ungewöhnlich ist, verfolgte man das Gebet.
Im Anschluss an dieses Anspiel wurden die Jugendlichen in zwei Gruppen aufgeteilt. In der einen Gruppe übernahmen Bettina und Peter Moderation und Gesprächsführung, in der anderen Gruppe waren dies Dina und Michael.
Die Gruppe von Dina und Michael
Zentrales Thema in den beiden Gesprächsrunden war, wie man sich nach der Einführung denken kann, das Gebet. Natürlich ist dies ein sensibles Thema und dementsprechend waren die Moderatoren ständig gefordert, gaben Denkanstöße, aber auch ihre eigenen Erfahrungen preis.
Erfahrungsgemäß wird man mit der Zeit lockerer und so kamen nach und nach doch etliche Beiträge von den Jugendlichen. Dies beruhte sicher auch darauf, dass absolute Vertraulichkeit zugesichert wurde. Aus diesem Grund gehen wir hier auch nicht auf Beiträge Einzelner ein.
Interessant zu hören war schon, zu welchen Anlässen und in welcher Form man betet, ob es bestimmte Formulierungen gibt, ob man nur betet, um zu bitten, oder auch, um zu danken. Es wurde nach dem “Warum” gefragt, z.B. im Bezug darauf, dass der eine in seinem Gebet eine Bitte einbezogen und das, was er sich gewünscht hatte, auch in Erfüllung ging, oder der andere nicht verstehen konnte, dass seine in einem Gebet geäußerte Bitte nicht erhört wurde. “Warum?” – diese Frage wurde oft nicht nur im Bezug auf das Gebet gestellt. “Warum lässt Gott das zu?” war eine Frage, die von vielen gestellt wurde. Dass Gott und die Bibel die jungen Menschen bewegen, dass man sich darüber Gedanken macht, dies zeigten auch Fragen im Bezug auf Themen, die nicht unbedingt mit dem Begriff “Gebet” in Verbindung stehen.
Sehr umfangreich waren die Äußerungen der Jugendlichen zu der Frage, “Wofür wir beten möchten”.
“Familie, Verwandtschaft, Eltern, Geschwister, den Tag, Essen, Liebe, Frieden und Sicherheit, Kraft und Mut” sind nur ein Auszug aus den geäußerten Vorstellungen.
Genügend Denkanstöße für unseren Gottesdienst am kommenden Sonntag oder einen weiteren Themenabend etwa.
Dass die Gesprächsrunden für die Jugendlichen doch sehr eindrucksvoll waren, zeigte der Beifall, welchen die Moderatoren am Ende bekamen.
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