„Das wirst du schon noch lernen!“, sagt die Mutter zum Kind, wenn es mit dem Fahrrad fahren nicht gleich gelingt.
„Ich muss noch für die Mathe-Arbeit lernen!“,
sagt der Schüler am Nachmittag.
„Ich habe heute im Kindergarten gelernt,
wie ein Thermometer funktioniert!“, ruft das vierjährige Mädchen freudestrahlend.
Doch wie funktioniert lernen?
Das Lernen an sich kann man nicht sehen. Man kann nur erkennen, ob der Mensch etwas gelernt hat – ob er es kann oder nicht. Der eigentliche Lernprozess ist nicht sichtbar und kann nur an den Entwicklungsfortschritten gemessen werden. Bildung ist gerade im vorschulischen Bereich in den letzten Jahren zum Thema geworden.
Wie kann Bildung im Kindergarten funktionieren?
Der Bildungsauftrag des Kindergartens ist die ganzheitliche Förderung: Spielerisch lernen, spielend die Welt entdecken, das ist die kindliche Methode des Lernens.
In der frühen Kindheit werden die Grundsteine für späteres Lernen gelegt.
Lernen bedeutet, Wissen zu erwerben und sich dessen auch bewusst zu werden, nicht nur das Vorzeigen eines fertigen Ergebnisses.
Das Lernen des Kindes funktioniert nach zwei Grundprinzipien:
1. Aus allen Erfahrungen und Umweltreizen wählt das Gehirn aus, was es dringend braucht – dies wird als Wissen verankert.
2. Die Eigeninitiative des Kindes – Kinder sind von sich aus neugierig und wollen die Welt entdecken. Kinder gewöhnen sich selbständiges Fragen und Denken an: „Warum, weshalb, wieso?!“
Dazu die Fallgeschichte von der kleinen Anna, die fünf Jahre alt ist und bald in die Schule kommt: Anna hat im Kindergarten an einem Projekt über die Temperatur teilgenommen. Es wurden die Jahreszeiten besprochen, was frieren und schwitzen bedeutet und wie wir feststellen können, ob es warm oder kalt ist. Die Kinder haben in Eimern mit unterschiedlich temperiertem Wasser mit den Händen geplanscht, Thermometer hinein gehalten und die Temperatursäulen beobachtet. Wasser wurde zu Eis gefroren und wieder in die Sonne gestellt. Anna hat sich entschieden ein Thermometer zu basteln. Als Anna später gefragt wurde, was sie in dem Projekt gelernt hat, antwortete sie: „Ich habe gelernt ein Thermometer zu basteln.“
Die Erzieherin hatte mit dem Projekt etwas anderes im Sinn. Sie wollte den Kindern nämlich Wissen über die Temperatur beibringen.
Für Kinder wie Anna bedeutet „Lernen“, etwas zu tun, was man vorher nicht konnte. Um das Bewusstsein für das Lernen zu schaffen, ist es zudem wichtig, dass die Kinder über das eigene Lernen nachdenken und so vielleicht weiter forschen.
Zum Beispiel mit einer Bilder-Dokumentation über das Projekt kann Anna das Gelernte aufgreifen und vertiefen und weiter lernen, damit das Wissen gefestigt wird.
So werden Lernprozesse angestoßen und die Kinder bemerken an ihren eigenen Erfolgen, dass sie etwas gelernt haben.
Dass Kinder ständig in Bewegung sind, ist für alle Lernprozesse von großem Vorteil, denn die Motorik spielt eine wesentliche Rolle für die Entwicklung des Gehirns.
Ein gutes Beispiel hierfür ist das Erlernen des Laufens, des Kletterns und des Fahrradfahrens.
Kinder, die sich viel bewegen und wenig sitzen, entwickeln eine gute Koordination und können später leichter Rechnen oder Textaufgaben lösen.
Sehr wichtig für das „Lernen“ ist auch die Beziehung zwischen dem Erwachsenen und dem Kind.
Die Eltern oder die Erzieherinnen können ihr Wissen und ihre Erfahrung an das Kind weitergeben, wenn sie die Kinderperspektive einnehmen. Sie sollten sich überlegen, „ Was könnte sich das Kind dazu denken?“ und so mit dem Kind ins Gespräch kommen. So kann Lernen bewusst und Lernprozesse gefestigt werden.
„Was vermutest du?“, ist eine Frage, in der sich das Kind mit seinen Erkenntnissen ernst genommen fühlen kann.
Die wichtigste Aufgabe zur Lernförderung von kleinen Kindern im Kindergarten ist es, eine Lernkultur zu schaffen.
Kinder benötigen Raum und Platz, um sich zu entfalten.
Die Erzieherin unterstützt die Kinder in ihrem Tun, indem sie Material oder Geräte bereitstellt, die zum Experimentieren und Ausprobieren einer Sache benötigt werden.
Es geht darum, Kindern genau zuzuhören und im Alltag zu beobachten, um herauszufinden, wo befindet sich das spielende, lernende Kind gerade?
Mit welchen Themen ist es beschäftigt und was braucht es, um sich weiter zu bilden?
Im pädagogischen Alltag bedeutet dies:
- Aufgreifen und Wiederholen bekannter Zusammenhänge
- Zusammenhänge deutlich machen durch Strukturierung – eins nach dem anderen
- Kinder gegenseitig erklären lassen (soziale Kompetenz und Kooperation)
- Bewegung: Kinder holen sich selbst Informationen: von draußen aus der Natur, von anderen Gruppen, aus anderen Räumen, Bücher, etc.
- Kinder sind selbsttätig und selbständig aktiv, statt still am Platz zu sitzen
- Gemeinsame Gespräche über Erfahrungen und Erkenntnisse
- Festhalten dieser Erkenntnisse in Dokumentationen wie Sammelmappen, Lerngeschichten, Lerntagebüchern, etc.
Eine solche Lernkultur zu schaffen heißt geplantes Lernen.
Quelle: Familienhandbuch für Frühpädagogik
Dr. Gisbert, Dr. R. Sommer-Himmel
Wir bieten für die Kinder in unserer Einrichtung diese Rahmenbedingungen an, damit das spielerische Lernen in der Kita zum „Kinder-Spiel“ wird.
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